Angedacht - Im Detail

Etwas ganz genau betrachten, nahe hingehen, jede Einzelheit erkennen, mit der Lupe, mit dem Mikroskop – das kann faszinierend sein.

Ein kleiner Selbsttest:

Schließen Sie Ihre Augen, halten Sie Ihre Hände direkt vor Ihr Gesicht und öffnen Sie wieder die Augen.

Unsere Augen ganz nah dran an den Händen: Was sehen Sie?

Für mich waren es im ersten Augenblick keine Hände, die ich sah. Meine Augen mussten sich erst darauf einstellen und selbst dann war das, was vor meinen Augen war, nicht als Hände zu identifizieren.

Mit etwas Abstand wurde das Bild dann scharf und die Hände wurden erkennbar.

Etwas im Detail zu sehen ist gut, interessant und zum Teil auch wichtig, aber der Blick aufs Ganze, der Blick mit Abstand und Distanz ist ebenso wichtig und oftmals erklärt sich dann auch erst der Blick ins Detail, wenn wir einen Überblick über das Ganze haben.

Den Blick aufs Detail haben auch die Bewohner der Heimatstadt Jesu und seine Verwandten. Ihnen fehlte der Blick mit etwas mehr Abstand. Sie kannten Jesus als der Zimmermann, als einen von ihnen, schon als Kind kannten sie ihn. „Was sind das für Machttaten, die durch ihn geschehen?“, fragten sie sich.

Ihr Blick war nur auf einen Lebensabschnitt Jesu fokussiert, diesen kannten sie im Detail, dafür fehlt ihnen der Blick fürs Ganze und sie konnten Jesus nicht als der Heilsbringer erkennen. „Er konnte dort keine Machttat tun“, so heißt es im Markusevangelium (Kap. 6).

Vom Abstandhalten haben viele von uns langsam aber sicher genug, die Nähe wird vermisst. Bei unseren Blickwinkeln, Urteilen und Einschätzungen sollten wir aber immer wieder auch auf Abstand gehen, uns einen Überblick verschaffen, umso besser urteilen zu können.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Frank Schien, Gemeindereferent