Angedacht - Das gemeinsame Erbe

In diesem Jahr finden an vielen Orten Feierlichkeiten zu " 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ statt.

Dieses Jubiläum lädt ein, unsere gemeinsamen Wurzeln zu betrachten. Das 2.Vatikanische Konzil spricht von einem "gemeinsamen geistlichen Erbe" und bestimmt das Verhältnis zum Judentum grundlegend neu. Statt Ablehnung nun Respekt und Anerkennung.

In den ersten Jahren war die Urgemeinde noch voll und ganz im Judentum verankert. Mit dem Wachsen der christlichen Gemeinde, vor allem mit der Aufnahme von "Heiden", begann dann eine schrittweise Ablösung von bisherigen Traditionen. Kein einfacher Prozess. So war die Beschneidung keine Voraussetzung mehr, um Christ zu werden. Es gibt kein Fleisch mehr, das zu essen verboten wäre und die akribische Gesetzesfrömmigkeit konzentrierte sich auf die Gottes-und Nächstenliebe. Schließlich schieden sich die Wege zwischen Juden und Christen an der Gestalt Christi. Aus dem Nebeneinander wurde mehr und mehr ein Gegeneinander, ja eine religiös motivierte und begründete Feindschaft. Doch die gemeinsamen Wurzeln sind geblieben, obwohl man sie mehr und mehr aus den Augen verloren hat.

Angedacht

In und durch Jesus Christus leben wir von der Wurzel, die tief ins Alte Testament zurückreicht. Es ist dieselbe Wurzel, aus der auch Juden leben. Dieses Bewusstsein erinnert uns an das, was wir mit den Juden gemeinsam haben.

Wir sind nicht nur Schwestern und Brüder im Herrn, da wir zu Kindern des himmlischen Vaters geworden sind. Wir sind nicht nur Glieder der Gemeinschaft der Christus-Gläubigen. Wir gehören auch zum Volk Gottes, das Gott sich in der alten Geschichte der Juden erwählt hat, welches er durch die ganze Geschichte begleitet hat, und das er heute noch begleitet.

Ihr Diakon Bernd-Günter Barwitzki, ofs