Angedacht - Hoffnung und Orientierung

Papst Franziskus kämpft um eine bessere Lebensweise, die allen Menschen zu Gute kommt. So ist auch der Titel „Fratelli tutti“ seiner Enzyklika zu verstehen. Er richtet sich an „alle Geschwister“, nicht nur innerhalb der Religionsgemeinschaften, sondern an die ganze Menschheitsfamilie.

Die Welt befindet sich im Umbruch. Der Papst zeigt seine Vision einer Welt auf, in der die menschliche Geschwisterlichkeit und die Bewahrung der Schöpfung, den alles entscheidenden Weg zur umfassenden Entwicklung des Menschen und zum Frieden darstellen.

Den Krisen der Welt setzt er die universale Geschwisterlichkeit entgegen, ausgehend von der biblischen Erzählung vom barmherzigen Samariter: Da wird ein Mann überfallen, liegt ausgeraubt und verletzt im Dreck. Die frommen und wichtigen Menschen beachten ihn nicht und lassen ihn liegen. Es ist ein Fremder, der sich um ihn kümmert. Der Mann aus Samarien zeigt Mitgefühl, nimmt sich Zeit und hilft. Dieser eine Mensch ist ihm nicht egal. Der Papst empfiehlt der Menschheit, sich wieder auf die uralten Grundlagen der Nächstenliebe zu besinnen, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen, d.h. eine Abkehr von Egoismus auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

Solch ein Einsatz ist heute in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft notwendig. Es geht immer um Beziehung und um die Frage: Sehe ich im anderen eine Schwester, einen Bruder? Wenn ja, verändert sich meine persönliche Haltung? Der Papst nennt dies soziale Freundschaft. „Keiner rettet sich allein.“

Es sind zwei Hauptideologien, die diesem Ansatz widersprechen. Einmal der national-egoistische Populismus, der für Christen nicht hinnehmbar ist und der freie, extreme Marktliberalismus, den der Papst mit einem politischen Kampfbegriff „Neoliberalismus“ nennt.

Papst Franziskus nennt eine Politik des Gemeinwohldenkens, als einzige Zukunft für die Menschheit. „Wir sind als Gemeinschaft verpflichtet, dafür zu sorgen, dass jeder Mensch in Würde leben und sich entwickeln kann“. So sieht er seine Vision eines „Planeten, der allen Menschen Land, Heimat und Arbeit bietet“, Wirklichkeit werden.

Er wirbt dafür, nach dem Vorbild des hl. Franziskus andere Menschen unabhängig von Herkunft oder sozialer Zugehörigkeit in freundschaftlicher Offenheit „anzuerkennen, wertzuschätzen und zu lieben“.

Mit Egoismus oder Nationalismus ist keine bessere Welt zu schaffen. Krise heißt auch Wendepunkt – Altes zurücklassen, neue Veränderungen annehmen.

Noch gibt es die Wahl, sich für „Fratelli tutti“ – für alle Geschwister, Menschen, Tiere, Pflanzen – für alle Geschöpfe Gottes zu entscheiden.

Ihr

Diakon Bernd-Günter M. Barwitzki, ofs


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