Impuls der Woche - „franziskanisch leben“ im Jahr 2021

Was soll das eigentlich sein: „franziskanisch leben“? Und ist es nicht absurd, sich im 21. Jahrhundert am Lebensentwurf eines Menschen zu orientieren, der im Hochmittelalter in einem kleinen italienischen Städtchen gelebt hat? 800 Jahre später herrschen völlig andere Lebens- und Arbeitsverhältnisse, heutige Menschen sind mit ganz anderen Fragen konfrontiert!

Ein Schüler sagte mir einmal im Unterricht: „Die tägliche Realität zeigt, dass das Leben aus Geld und Sex besteht. Mehr braucht es nicht“.

Im Widerspruch dazu fasziniert der erste „grüne“ Heilige die Menschen bis heute durch sein Leben im Respekt vor der Schöpfung, im Einklang mit der Natur, in der Achtung vor anderen Religionen, im Einsatz für den Frieden bis hin zur Armut und Geschwisterlichkeit.

 

Kreuz IBB2017

Foto: IBB 2017

                                                                                          

Franziskus steht wie kaum eine andere Persönlichkeit für die radikale Nachfolge des armen und menschenfreundlichen Jesus von Nazareth. Er steht für die bedingungslose Liebe.

In einem kommt obenstehende Schülermeinung der Realität sehr nahe: Alles wird dem Imperativ der Ökonomie unterstellt. Die internationale Konkurrenzfähigkeit wird zur entscheidenden Kategorie für unsere Gesellschaft. Wert hat nur, was und wer verwertbar ist, das heißt einen Geldwert hat. Alle Bereiche des menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens werden diesem Prinzip unterworfen.

Genau an dieser Stelle gibt es Gemeinsamkeiten mit der Welt des Franziskus: Er steht am Anfang einer Epoche, in der der wirtschaftliche Erfolg für immer mehr Menschen zum Maßstab für den Wert eines Menschen wurde. Der Besitz des neu aufkommenden Geldes wurde für das gerade entstehende Bürgertum in den Städten zum Dreh- und Angelpunkt. Viele blieben auf der Strecke, wurden ausgegrenzt. Franziskus hat sich radikal gegen diese Sichtweise gewandt und konsequent versucht, den Fußspuren Jesu Christi zu folgen. Das heißt: die Armen zuerst … für Frieden, Gerechtigkeit und für einen geschwisterlichen Umgang mit der Schöpfung. Dies alles und eine Sehnsucht nach dem einfachen, solidarischen Leben, eine Sehnsucht nach erfüllenden Beziehungen, eine Sehnsucht nach Gott motivieren Menschen in diesem Sinne ihr Leben zu gestalten.

Hier einige Antworten von Menschen, die versuchen heute franziskanisch zu leben:

 

Assisi IBB2017

Blick auf Assisi; Foto: IBB 2017

 

Sr. Yvonne:  Froh und zufrieden leben, Franziskus konnte hüpfen, springen, tanzen und singen. Er lebte aus dem Ursprung und liebte die Natur. Ich versuche kleine Schritte davon umzusetzen, um froh und zufrieden zu sein.

Br. Christopherus:  In der westlichen Kultur wird alles gemessen, bewertet und beurteilt. Franziskanisch leben bedeutet, alle und alles von innen her zu betrachten – mit den Augen eines barmherzigen und liebenden Gottes.

Sr. Clara:  Staunen können über die Schöpfung

Br. Alexander:  Den Versuch wagen, Christus mit ganzem Herzen zu suchen.

Sr. Nicole:  Freude und Leid teilen

Br. Sabu:  singen, lachen, weinen und tanzen

Sr. Evamaria:  In Freiheit und Freude als Dienende unter den Menschen sein

Br. Helmut:  In einem geschwisterlichen Verhältnis zu allen Menschen stehen wollen.

(aus: Seiten der Ordensgemeinschaft in Kontinente 04/2021)

 

Gebet

Dreifaltiger Gott, nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir –
zu dir, meinem Vater,
der du mir Geborgenheit schenken willst.
 
Dreifaltiger Gott, nimm alles von mir,
was mich hindert zu mir –
zu dir, Jesus Christus, in mir,
der du in meinem Herzen lebendig sein willst.
 
Dreifaltiger Gott, nimm alles von mir,
was mich hindert zum Wir –
zur Gemeinschaft des Glaubens,
zu der du, Heiliger Geist, uns zusammenführst.

 

PACE E BENE

Ihr Br.Konrad (Bernd-Günter Barwitzki)

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