Impuls der Woche - Franziskanisches Feuer

Vor 800 Jahren machten sich franziskanische Brüder von Italien über die Alpen auf nach Deutschland. Ein echter Aufbruch. Das franziskanische Feuer verbreitete sich rasch – und auch im Jahr 2021 orientieren sich noch viele Menschen an den Ideen und Idealen des Ordensgründers Franz von Assisi. Das franziskanische Leben in Deutschland ist vielseitig und immer noch lebendig.

 

Franziskaner

Br. Helmut Rakowski, stellvertretender Provinzial der Kapuziner, Br. Andreas Murk, Provinzialminister der Franziskaner-Minoriten und Br. Cornelius Bohl, Provinzial der Franziskaner. Bild von Tobias Rauser.

Das besondere Jubiläum nahmen die drei franziskanischen Männerorden in Deutschland, Franziskaner, Minoriten und Kapuziner, zum Anlass, sich zu einem interfranziskanischen Mattenkapitel im Würzburger Minoritenkloster zu treffen.

Das „Mattenkapitel“ ist eine sehr alte Tradition, die auf die Anfänge der franziskanischen Bruderschaft und Franz von Assisi selbst zurückgeht. Immer zu Pfingsten reisten die Brüder nach Assisi. Da dort nicht genügend Platz war, schliefen sie auf Strohmatten – daher der Name.

In der Geschichte der drei Orden gab es viele Um- und Neuaufbrüche. Besonders die Zeit des Anfangs vor 800 Jahren nahmen die Brüder auf ihrem gemeinsamen Kapitel in den Blick. Bernd Schmies, Leiter der Fachstelle Franziskanische Forschung in Münster, berichtete über die ersten Jahre in Deutschland. „Das erste Kapitel fand Mitte Oktober 1221 in Augsburg statt.“ Dort stellten sich die Brüder dieselben Fragen wie die Ordensleute heute: Haben wir in Deutschland eine Zukunft? Findet unser franziskanisches Leben bei den Menschen Resonanz?

„Das sind Fragen, die herausfordern, heute wie im Mittelalter“, sagte Schmies. Der Wissenschaftler machte darauf aufmerksam, dass die Aufbrüche vor 800 Jahren vor dem Hintergrund des Wandels in Gesellschaft und Natur stattfanden – etwa der Urbanisierung und einem Klimawandel.

Die Frage ist: Wie können wir Franziskaner heute und in Zukunft unser franziskanisches Charisma leben?

Für viele Minoriten, Franziskaner und Kapuziner steht fest: Das franziskanische Feuer muss in Arbeit und Gebet brennen – bei jedem individuell, aber auch in der Gemeinschaft. Leben und Wirken der Minderbrüder sollten von Einfachheit und Freude geprägt sein. „Die franziskanische Flamme brennt überall da, wo wir uns wie Franziskus fragen: Was willst Du Herr, was soll ich tun?“, formulierte es ein Teilnehmer. Um das franziskanische Charisma zu entfalten, ist die Begegnung mit Gott ebenso wichtig wie die Begegnung mit der Welt und den Menschen – offen, authentisch und achtsam.

Auch Br. Cornelius Bohl, Provinzial der Franziskaner, zog ein positives Fazit. „Wenn wir Franziskaner uns gegenseitig bestärken, vor allem in der Freude an unserer Berufung, dann ist mir vor der Zukunft nicht bange.“ 800 Jahre franziskanisches Leben in Deutschland – für den Ordensmann ein Auftrag für die Zukunft. „Wir sollten uns an die Aufgaben machen, die heute dran sind. Legen wir los!“

Br. Helmut Rakowski macht die Geschichte der ersten Brüder in Deutschland Mut. „Franziskaner sehen die Welt mit den Augen Gottes und denken die Dinge vom Rand der Gesellschaft her. Das ist unser Charisma. Es wird in Zukunft immer Menschen geben, die das Ideal des heiligen Franz leben werden“, sagte der stellvertretende Provinzial der Kapuziner.  (20.10.2021 Gemeinsame Pressemitteilung der Provinz der Franziskaner-Minoriten in Deutschland, der Deutschen Franziskanerprovinz und der Deutschen Kapuzinerprovinz. gekürzt)

Für uns stellen sich ähnliche Fragen: Was trägt uns und was funktioniert bei uns? Wie leben wir unsere persönliche Berufung? Aus welchen Quellen schöpfen wir unsere eigene Spiritualität? Was gibt meinem persönlichen Leben Sinn? Woran hänge ich mein Herz?

Wir sind eingeladen wieder neu zu entdecken, was uns erfreut und erwärmt!

 

Was freut und erwärmt uns Foto Helena Rueff

Was freut und erwärmt uns? Foto: Helena Rueff

 


Meditation

Guter Gott, du hast uns verheißen:
In Freude werdet ihr schöpfen aus den Quellen des Heils.


Mit leeren Gefäßen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit Wasser für Wiesen und Felder
mit Wasser für Menschen und Tiere
mit dem Wasser, das uns ewiges Leben schenkt.
 
Mit leeren Händen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit Früchten von Wiesen und Feldern
mit Blumen aus Gärten und Wäldern
mit dem Brot, das uns ewiges Leben schenkt.
 
Mit leeren Herzen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit deinem Wort, das unsere Gemeinschaft stärkt
mit deinem Wort, das uns zur Liebe befähigt
mit dem Wort, das uns ewiges Leben schenkt.

PAX ET BONUM

Ihr Br. Konrad (Bernd-Günter Barwitzki)

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