Impuls der Woche - Bruder Tod – Bote des Lebens

Die Witterung im November verschlechtert sich. Das Herbstlaub leuchtet oft noch, passend zur Hoffnung der Auferstehung. Mit den Feiertagen Allerheiligen, Allerseelen und dem Totensonntag gedenken Christen ihrer Verstorbenen. Viele Menschen besuchen die Friedhöfe und stellen Kerzen oder Blumen auf. Wohl alle Kulturen der Erde feierten und feiern Feste zu Ehren der Toten. Im Christentum bezeugen wir die bleibende Verbundenheit mit unseren Verstorbenen und die gemeinsame Hoffnung auf die Vollendung in Gottes Barmherzigkeit.

 

Herbstwald

Herbstwald am Herrenbach-Stausee, Adelberg
Tod und Auferstehung, Foto: IBB 2021

 

So soll bei dem Totengedächtnis nicht einfach Trauer vorherrschen wie bei einer Beerdigung, sondern die Dankbarkeit für die Menschen, die uns begleitet und voraus gegangen sind.

Im bekannten Sonnengesang unseres Ordensgründers Franziskus von Assisi blickt der Heilige am Ende seines Lebens voll Vertrauen dem Tod ins Gesicht: „Gelobt seist Du, mein Herr, für unseren Bruder, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihm entrinnen.“ Voll Hoffnung begrüßt Franziskus sein nahes Ende als einen vertrauten Bruder. Aus seinem christlichen Glauben heraus ist er sich sicher, dass Sterben für ihn Gewinn ist (vgl. Phil1,21). So führt das scheinbare Ende in ein neues Leben: Bruder Tod – Bote des Lebens.

 

Friedhofkreuz

Friedhofskreuz „Hoffnung“, Ostsee Foto: IBB 2015

 

Meditationgedanken: Ijob

Die Figur des Ijob ist eine tragische: Er muss lernen, dass auch durchaus Menschen Glück haben, die nicht fromm sind und er selbst, der Gerechte, der Gottesfürchtige, mit Unglück überhäuft wird.

Ijob ist darin ein moderner Mensch. Wegen all der Sorgen und des Unglücks beginnt er an Gott und seiner Güte zu zweifeln. Ijob muss lernen, dass Gott kein Spielautomatengott ist, der unsere Wünsche erfüllt. Seine Gottesbeziehung verändert sich, muss sich verändern.

Wir sollten nicht bis zu unserem Tod warten, bis wir dann Gott endlich dies und das fragen können. Die Suche nach Gott, nach einer echten Beziehung zu ihm dürfen wir jetzt wagen. Darin soll uns Ijob Ansporn sein: Am Tiefpunkt seines Lebens bricht in ihm eine viel tiefere Überzeugung durch, ein Urvertrauen, das ihn trägt und vor dem Verzweifeln bewahrt: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Dieses Vertrauen konnte Ijob nicht genommen werden.

So hat hier der Tod nicht das letzte Wort, auch wenn Ijob alles verloren hat. Gott lebt, er wendet sich dem Menschen zu als Freund, wenn wir nicht aufhören ihn zu suchen. Wir dürfen diese Freude hier und heute suchen – unseren Toten ist sie in der Vollendung in aller Fülle geschenkt! (Urban Federer, OSB, gekürzt).

PACE E BENE

Ihr Br. Konrad (Bernd-Günter Barwitzki), Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!