Impuls der Woche - Elisabeth von Thüringen - Teil 1

Elisabeth von Thüringen -  eine ungewöhnliche Frau und Fürstin

Teil 1

Am 19. November feiert nicht nur die Gemeinde St. Elisabeth in Geradstetten ihr Patrozinium, sondern auch die deutschen Franziskaner ihr Provinzpatrozinium. Elisabeth steht exemplarisch für die Frauen und Männer, die sich von Franziskus inspirieren ließen und lassen.

Hl Elisabeth
Hl. Elisabeth in Geradstetten, Foto: Andrea Mayer

Br. Nikolaus Kuster, OFMCap, hat am18.11.2019 folgenden Artikel auf der Homepage der Franziskaner veröffentlicht, der uns die Hl. Elisabeth in ungewöhnlicher Weise nahebringt.

„Wer der dritten wegweisenden Lichtgestalt der franziskanischen Bewegung nachspürt, trifft in ihrer thüringischen Lebenswelt heute auf Fremdenangst und Nostalgie nach der DDR-Zeit. Die kleine Elisabeth kam im Hochmittelalter selber als Ausländerin in die Mitte Deutschlands. Als Fürstin stellte sie sich auf die Seite der Armen. Nach dem frühen Tod ihres Mannes wurde sie auf die Straße gestellt. Sie widmete sich dann in Hessen unter Einsatz ihres Lebens der Pflege von Kranken.

König Andreas II. von Ungarn verkauft seine Tochter mit drei Jahren nach Thüringen. Grenzüberschreitungen prägen in der Folge ihr ganzes Leben: Die kleine Prinzessin stößt an, weil sie statt den Normen des Hofes ihrem Herzen folgt. Als Landgräfin findet sie den Weg von der mächtigen Wartburg hinab zu den Kleinsten. Als junge Witwe macht die Fürstin sich gar zur barfüßigen Schwester der Ärmsten. Wozu können die Wege dieser Frau aus dem hohen Mittelalter uns in unserer eigenen Lebens-, Arbeits- und Beziehungswelt ermutigen?


Kleine Ausländerin

Die kleine Ungarin ermutigt jene, die sich heute in eine andere Kultur einleben oder in ihr Wurzeln schlagen müssen. Von Bratislava/Preßburg – damals ein Teil Ungarns – nach Eisenach verpflanzt, tut es Elisabeth herzhaft: Sie lernt in einem fremden Volk so sensibel empfinden, so gut denken und so befreiend handeln, dass sie Menschen anderer Zunge Landesmutter und Mutter, Freundin und Schwester wird.

Wenn in aller Inkulturation auch etwas Fremdsein bleibt, so lässt Elisabeth sich nicht daran hindern, fern der Heimat vielen Menschen Freundin und Gefährtin zu werden. Als Fremde nach Deutschland gekommen, provoziert sie jene, die im eigenen Land von Ausländern nur Schlechtes erwarten.

Wie klein stehen da blinde Vorurteile neben ihrer Offenheit für das neue Land und seine Menschen, wie eng egoistische Abgrenzung neben ihrer Solidarität, und wie arm mitteleuropäische Selbstgerechtigkeit neben einer „Liebe mit Migrationshintergrund“!


Wege des Herzens

Im prachtvollen Thüringerhof in Eisenach wird das kleine Ungarnmädchen standesgemäß erzogen: eine leidenschaftliche Prinzessin, die gerne auf Pferden reitet. Bei aller Wildheit hört sie sensibel auf ihr Herz und folgt ihm auch dann, wenn es gegen die Hofetikette verstößt. Als das Kind im Gottesdienst ein Kreuz entdeckt, legt es seinen Kopfschmuck ab. Als ihre Pflegemutter, die strenge Sophie von Bayern, sich über die ungebührliche Geste ärgert, antwortet das Mädchen, dass es nicht mit Edelsteinen im Haar vor dem Bild des Dornengekrönten stehen könne.

Ihr oft unkonventionelles Verhalten hat Folgen. Als Elisabeths erster Verlobter Hermann, dem sie vierjährig ins Bett gelegt wurde, in jungen Jahren stirbt, hätte die Pflegemutter die Ungarin am liebsten in die Heimat zurückgeschickt: abgeschoben in ein Land, dessen Sprache und Kultur ihr inzwischen fremd geworden sind“. (Fortsetzung folgt!).

PACE E BENE

Ihr Br. Konrad (Bernd-Günter Barwitzki), Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!