Impuls der Woche - Elisabeth von Thüringen - Teil 2

Elisabeth von Thüringen - eine ungewöhnliche Frau und Fürstin

 Teil 2

 

Mit 14 Jahren verheiratet

Die Neunjährige hat Glück: Der neue Thronfolger entscheidet sich für sie. 14-jährig mit dem jungen Grafen Ludwig verheiratet, wird Elisabeth eine tief glückliche Ehefrau, obwohl Adelshochzeiten des Mittelalters nicht das persönliche Glück suchten. Sie dienten politischen Zwecken, festigten Bündnisse oder erweiterten die Macht der Familie.

Die wilde Ungarin bringt Ludwig in rascher Folge drei Kinder zur Welt: mit 15 den Thronfolger Hermann, Sophie mit 17 und das dritte Kind Gertrud mit 20. Die Ehe fällt durch ihre Innigkeit auf und durch eine Liebe, die einiges aushält.

Landgraf Ludwig richtet als Landesherr seine Untertanen in Hessen, als Elisabeth zuhause ihr erstes Kind gebiert. Während er hoch zu Ross Machtpolitik betreibt, trägt sie ihr neugeborenes Kind eigenfüßig zur Taufe in die Pfarrkirche. Sie tut es in einen armen Mantel gehüllt und mit zwei Turteltauben – wie Maria von Nazareth.

 

elisabeth ii

Zu Lebzeiten Elisabeths (1207-1231) entstand im Basler Münster dieses Relief: „Der Arme trifft auf die Barmherzigkeit“ ist es überschrieben. Barfuß, abgemagert und mit wenigen Habseligkeiten unterwegs, findet er eine Frau, die seiner Not mit offenen Augen und zielsicher einen Weg weist – und die ihn spüren lässt, dass sie ein Herz für ihn hat. Bild von Niklaus Kuster OFMCap.

 

Eigenwillige Regentin

Als sie Thüringen für den landesabwesenden Gemahl regiert und eine Hungersnot ausbricht, lässt sie alle Vorratsspeicher öffnen, rüstet das Volk mit Werkzeug und Saatgut aus und legt selber Hand an. Ludwig nimmt sie bei seiner Rückkehr gegen den aufgebrachten Hof in Schutz.

Elisabeth ist für den Landgrafen keine einfache Frau. Zu Tisch isst sie keine Speise, die unfair oder unrechtmäßig erworben war. Ihr Mann nimmt sie ernst, ihr Tun, ihr Gewissen und ihre Botschaft: glückliche Liebe ungleicher Menschen, die das Du achten, lieben und unterstützen, gerade auch dann, wenn es anders ist, anders empfindet und handelt.

 

Weg gewiesen

Die glückliche Frau erwartet ihr drittes Kind, als ihr Leben unerwartet an einen Abgrund gerät. Kaiser Friedrich II. bläst zum Kreuzzug und auch Ludwig reitet in schwerer Rüstung los. Noch in Italien fällt er einer Seuche zum Opfer. Als die Nachricht nach Thüringen kommt, wird die junge Witwe fast wahnsinnig vor Schmerz.

Weil sie sich der Machtpolitik ihres Schwagers in den Weg stellt, ekelt der Hof die junge Witwe aus der Burg: Des Geliebten, der Kinder und ihres Zuhauses beraubt, tritt Elisabeth barfuß in Eisenachs Nieselregen, wo eine bittere, alte Frau sie auf der Gasse in eine Pfütze stößt. Elisabeth bleibt nicht liegen: weder in der Gosse noch in ihrer Trauer.

Zwei Tage später werden auch ihre Kinder von der Wartburg weggejagt. Elisabeth kann ihr Elend den Kindern nicht zumuten und muss sie in einem Kloster und an einem Hof Verwandter „fremdplatzieren“. Monate später – nach Rückkehr der Thüringer Großen vom Kreuzzug – werden die älteren beiden Kinder auf die Burg zurückgenommen. Sie bleiben jedoch von der Mutter getrennt, um „standesgemäß“ erzogen zu werden. Nur das dritte Kind lässt man ihr, solange sie es stillt, Es ist fürs Kloster bestimmt.

 

Schwesterliche Wege

Die Witwe wechselt mit ihren zwei liebsten Freundinnen und dem Baby nach Marburg. Dort stünde ihr ein Prachtschloss als Witwensitz zu. Sie zieht jedoch nicht in die Burg über der Lahnstadt. Im Schatten des Schlossberges gründet sie mit dem ererbten Geld ein Hospital. Elisabeth baut ein Haus, das Kranke, Arme, Behinderte, Waisen und Irre aufnimmt. Wer immer ohne Dach, Pflege, Brot und Zuwendung lebt, findet hier ein Zuhause, Bett und Sorge.

Die Gräfin wird selbst zur „Schwester in der Welt“ und wirkt im Kreis einer geschwisterlichen Gemeinschaft, kleidet sich barfuß in raues Wolltuch und gürtet sich mit einem Strick – wie Franziskus, den sie – eben erst heilig gesprochen – zum Patron ihrer Spitalkapelle erwählt.

 

Gottes Weg

Mit Leidenschaft und Liebe setzt Elisabeth eine Erkenntnis in die Tat um: Alle, die das „Vaterunser“ beten, werden einander Geschwister – ob Bauer oder Fürstin, reich oder arm, mächtig oder machtlos, Freundin oder Fremder. So schenkt die Fürstin den selbst gewobenen Mantel, den sie zur Taufe ihres Sohnes trug, einer armen Bäuerin.

In Marburg folgt sie dem Weg des Gottessohnes, der Freund der Ärmsten wurde und sich mit ihnen solidarisiert. Fremde, Hungernde, Gefangene und Kranke nennt er als Bruder seine liebsten Geschwister.

Elisabeths solidarisches Leben unter den Ärmsten zehrt sich nach drei Jahren auf. Vom Volk geliebt und von Papst und Kaiser bewundert, stirbt sie 24-jährig an einer Grippe. Man hat Elisabeth die Mutter Theresa des hohen Mittelalters genannt. Beide sind sie Osteuropäerinnen, die Karriere machen und schließlich – dem Weg des Gottessohnes unter die Geringsten folgend – Schwestern der Armen werden“.

 

Barmherzigkeit heute

Einem Menschen sagen:

Du gehörst dazu.

Ich höre dir zu.

Ich rede gut über dich.

Ich gehe ein Stück mit dir.

Ich teile mit dir

Ich besuche dich.

Ich bete für dich.     (Bischof Joachim Warnke)

 

Gott, 

du Urheber alles Guten,
du bist unser Herr.

Lass uns begreifen, dass wir frei werden,
wenn wir uns deinem Willen unterwerfen,
und dass wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

PACE E BENE Ihr Br.Konrad (Bernd-Günter Barwitzki) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!