Impulse der Woche - Welcher „Zauber“ wohnt dem Anfang inne?

„Am Anfang schuf Gott…“ Dieser erste Satz der Bibel ist keine Zeitangabe. Er sagt aus, dass alles in Gott begründet ist. Unsere innere Aufmerksamkeit ist gefragt. Was ist meine Bestimmung? Welchen Sinn hat mein Leben? Der Mensch ist das einzige Wesen, das über solche Fragen nachdenkt – zumindest soweit wir wissen. Welche Zusammenhänge gibt es, um Sinn zu erfahren? Unter dem Titel sinn.los.frei erscheint die Winterausgabe 2021 „Franziskaner“. Provinzialminister Cornelius Bohl,ofm schreibt darin:

 

Türen

Gehen – suchen – Sinn. Foto: IBB10/2021

 

„Haben Sie den Sinn des Lebens schon gefunden? Wahrscheinlich stutzen Sie bei dieser Frage. Und das ist gut so. Denn den „Sinn des Lebens“ kann ich nicht erwerben wie ein Ding, das ich dann ein für alle Mal besitze. „Sinn“ ist auch kein gedankliches System, das mir alle Fragen schlüssig beantwortet. Aber ich erfahre Spuren von Sinn, etwa wenn ich ein Tun als sinnvoll erlebe oder das Gefühl habe, dass ich am richtigen Platz bin: Es passt. Vieles ist zwar mühsam und schwer, und dennoch, aufs Ganze gesehen, ist es gut, so wie es ist. Umgekehrt ist wohl nichts so schlimm wie der Eindruck, dass letztlich alles irgendwie sinnlos ist. Wer sein Leben trotz allem im Tiefsten als sinnvoll erfährt, kann auch schwere Krisen meistern. Die Erfahrung von Sinnlosigkeit dagegen macht krank und hat schon Menschen in den Tod getrieben.

Das macht Sinn, sagen wir manchmal. Hinter dieser Wendung steckt der englische Ausdruck to make sense. Im Deutschen haben wir eine sehr schöne Formulierung: Das ergibt Sinn! Sinn kann nicht gemacht werden. Er wird gegeben. Sinn eröffnet sich, erschließt sich mir im Nach-Sinnen. Sinn ist darum immer auch Geschenk und macht dankbar.

Das Reservoir an Sinnangeboten, das uns die Geschichte der Religionen, Philosophien und Weltanschauungen bietet, ist unerschöpflich. Für den Christen ergibt sich Sinn nicht aus einer Lehre, sondern aus einer Beziehung, aus der Lebensgemeinschaft mit Christus. Der „Sinn des Lebens“ ist darum weniger eine Erklärung der Welt als vielmehr die Fähigkeit und die Bereitschaft vertrauen zu dürfen. Wer in einer Beziehung aus einem tiefen Sinn lebt, versteht nicht alles und kann dennoch Ja sagen zu sich und der Welt. „Du wagst dein Ja – und erlebst einen Sinn. Du wiederholst dein Ja – und alles bekommt Sinn„, schreibt Dag Hammarskjöld, der ehemalige UN-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger (1905–1961). Etymologisch, so habe ich gelesen, steckt in unserem deutschen Wort „Sinn“ das althochdeutsche „sinnan“ bzw. die indogermanische Wurzel „sent“. Beide Begriffe bedeuten „gehen“, „reisen“ und „fahren“. Erst im Gehen erfahre ich, ob mein Weg sinnvoll ist. Sinn erschließt sich Schritt für Schritt“.

Mögen Sie die Segenswünsche der hl.Klara durch das Jahr 2022 begleiten „Gott sei mit dir zu allen Zeiten und gebe er, dass auch du immer mit ihm sein willst“.

PACE E BENE

Ihr Br. Konrad,ofs (Bernd-Günter Barwitzki)   Kontakt:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!