Impuls der Woche - Frieden schaffen mit oder ohne Waffen?

Waffenexporte, 100 Milliarden für die Bundeswehr: Laut Bundeskanzler Scholz eine "Zeitenwende" in der Außen- und Sicherheitspolitik. Ob und wie ist die christliche Friedensethik für diese Situation noch zu gebrauchen? Mitten in Europa tobt der Krieg. Der Wahn des Kremlherrschers Putin will über die Zukunft eines Nachbarlandes bestimmen. Sein Wahn verblendet die Vernunft und es kommt zu Blutbädern und Gemetzel. Weicht hier also gerade ein christliches Ideal einem von Russland aufgezwungenem Pragmatismus?

„Wir haben uns geirrt“, schreibt Pax Christi (www.paxchristi.de). „Wir konnten uns nicht vorstellen, dass es zu diesem Krieg kommt“. Brauchen wir deshalb ein Aufrüstungspaket? Wird dadurch nicht eine Gewaltspirale in Gang gesetzt? Bedeutet dies, auf den Gewaltverzicht Jesu zu verzichten?

Bei Franz von Assisi besteht ein enger Zusammenhang zwischen Haltung und Handlung. „Wenn ihr mit dem Mund den Frieden verkündet, so versichert euch, ob ihr ihn auch, ja noch mehr, in eurem Herzen habt“. Demut, Frieden und Geduld bilden bei Franziskus einen untrennbaren Dreiklang, gemäß dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden“ (Eph 4,2+3).

Es braucht eine breite Bewusstseinsbildung für Frieden. Die christliche Friedensbotschaft führt immer zur Ablehnung von tötender Gewalt als einem legitimen politischen Mittel. Die biblischen Impulse stehen immer für die Versöhnung von Feinden, für eine solidarische Lebensweise, für eine am Gemeinwohl orientierte Wirtschaftsform und für gewaltfreie Konfliktregelungen.

Vor ca. achthundert Jahren segelte Franziskus nach Ägypten und erfüllte sich einen lang gehegten Traum: Er wollte den Muslimen die Hand reichen. Dieses Beispiel zeigt, dass ein mit Geist erfüllter Mann ohne eigene Waffen die Kampflinien überquerte, um ein Treffen mit dem Sultan zu fordern. Er wurde von diesem mit Gnade empfangen und konnte seine Gastfreundschaft genießen. Wohlbehalten kehrte er nach Hause zurück.

Ein authentisches Friedenshandeln ist nur möglich mit einer inneren Haltung der Gewaltlosigkeit und einem versöhnten Herzen.

Heute erleben wir wieder eine Realität der sog. Zeitenwende, d.h.  der Aufrüstung. Umso mehr bedarf es einer Rückbesinnung auf die biblischen Kernaussagen: Die Absage an Gewalt jeder Art und den Einsatz für Frieden hier und weltweit.

Pax Christi schließt daraus den Schluss: „Wir halten fest an der Option der Gewaltfreiheit. Die Vision, für die wir uns einsetzen, steht für eine Welt ohne Gewalt und Waffen.


Weg der Seligpreisungen
Weg der Seligpreisungen, Berchtesgaden, Foto: IBB 2019

Krieg kann heute nicht mehr mit Waffen beendet werden. Wer wird am Ende nicht zu den Verlierern dieses unseligen und unsinnigen Krieges gehören? Wir alle, weil er die Menschheit und die Menschlichkeit um Jahre zurückwirft. Die Chancen liegen allein in Verhandlungen, Diplomatie und Sanktionen. Die Zukunft liegt im Friedensdienst und in der Freundschaft, im gemeinsamen Einsatz für Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.

Eine Parabel unbekannter Herkunft macht dies deutlich:

Ein alter chinesischer Kaiser hatte vor, das Land seiner Feinde zu erobern und sie alle zu vernichten. Später sah man ihn mit seinen Freunden speisen und scherzen.

„Wolltest du nicht deine Feinde vernichten?“, fragte man ihn verwundert. Der Kaiser antwortete: „Ich habe sie vernichtet. Ich machte sie zu meinen Freunden“.

 

Termine: Eucharistische Anbetung: Donnerstag, 7. April, 15 Uhr, St.Michael, Ökumenisches Friedensgebet: Freitag, 8.April, 18.30 Uhr, St. Elisabeth.

 

PACE E BENE

Ihr

Br. Konrad,ofs (Bernd-Günter Barwitzki), Kontakt:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!