



Es bleibt nichts, wie es war
Vor einer Woche wurde eine große Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa veröffentlicht, die sich mit dem Thema Kirchenmitgliedschaft, Glaube an Gott und religiöser Praxis beschäftigt. Die Ergebnisse sind auf der einen Seite beunruhigend und auf der anderen Seite nicht wirklich überraschend. Für immer weniger Menschen haben der Glaube und die religiöse Praxis im Leben eine Bedeutung. Nur noch 15% der Getauften beten täglich zu Gott, weniger als 5% lesen einmal pro Woche in der Bibel. Nur noch 32% der Katholiken glauben an einen Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat; in der Gesamtbevölkerung sind es 19%. An irgendein höheres Wesen glauben noch 29% der Deutschen. Alle anderen wissen entweder nicht, was sie glauben sollen, oder glauben explizit nicht, dass es einen Gott oder irgendeine geistige Macht gibt. Dem entsprechend ist für über 70% der katholischen Kirchenmitglieder und fast ebenso vielen auf evangelischer Seite der Kirchenaustritt eine denkbare Option geworden, der durch die kirchlichen Skandale, allen voran der Missbrauchsskandal, noch befeuert wird.
Glaube und Religion sind auch außerhalb der beiden großen Kirchen in unserer Gesellschaft massiv auf dem Rückzug. Die Autoren der Studie stellen fest: Wir leben in einer Zeit massiver „religiöser Entfremdung“, die „so groß geworden sei, dass Religion als etwas kulturell Fremdes und damit als eine Bedrohung wahrgenommen wird“.
Wie gehen wir mit diesen empirischen Befunden um?
Eines ist klar: ein Weiter so wie bisher wird es nicht geben. Bereits in wenigen Jahren wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder voraussichtlich halbieren.
Müssen wir uns nicht gemeinsam darüber Gedanken machen, wie wir den Glauben und die Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist, in unserer Zeit bezeugen? Ich denke, wir sind alle gefragt, die eigene Beziehung zu Jesus Christus zu stärken, um als kleiner werdende Minderheit in einer postchristlichen Gesellschaft im Glauben zu bestehen und gleichzeitig neue Wege der Verkündigung des Glaubens zu finden. Wir stehen nicht nur vor einem großen Problem unserer Kirchen, sondern auch unserer Gesellschaft. Wo Glaube, Hoffnung und Liebe schwinden, da wachsen Angst, Rücksichtslosigkeit und Einsamkeit,
Diakon Bernd - Günter Barwitzki, OFS









