800 Jahre Franz von Assisi
Vor 800 Jahren, am Abend des 3. Oktober 1226, vollendete Franz von Assisi sein Leben. Bis heute leuchtet sein Name weit über die Grenzen der Kirche hinaus. Viele Menschen verbinden mit ihm Frieden, Einfachheit, Liebe zur Schöpfung und eine tiefe Nähe zu Christus.
Franziskus war mehr als die Gestalt frommer Legenden. Er war ein Mensch, der sich vom Evangelium bis ins Innerste treffen ließ. Er ließ los, was ihn band — Besitz, Ansehen und Sicherheiten — und suchte allein den Weg, den Christus ihm wies. Gerade darin liegt seine bleibende Kraft: nicht in äußerer Größe, sondern in der Freiheit eines Herzens, das ganz Gott gehörte.
Sein Leben ist auch heute ein geistlicher Ruf. Es erinnert uns daran, dass wahre Erneuerung nicht mit Macht beginnt, sondern mit Umkehr, nicht mit Besitz, sondern mit Vertrauen, nicht mit Worten, sondern mit gelebter Liebe. Franziskus lädt uns ein, einfacher zu leben, achtsamer mit der Schöpfung umzugehen und dem Frieden in unserem Denken, Reden und Handeln Raum zu geben.
So ist die Erinnerung an Franz von Assisi nach 800 Jahren mehr als ein Blick zurück. Sie ist eine Einladung, neu zu fragen, was uns trägt — und uns von Gott verwandeln zu lassen.
DiR Bernd-Günter Barwitzki, ofs
Sonnengeküsst
Die Erdbeere in der Hand – noch warm von der Sonne, ihr Duft erfüllt die Luft. Ein leiser Hinweis auf die Güte der Schöpfung, die uns Tag für Tag umgibt. Sonnengeküsst sind nicht allein die Früchte dieser Zeit. Auch wir dürfen es sein, wenn wir uns berühren lassen vom gegenwärtigen Augenblick – wach, empfänglich und dankbar. Wenn wir nicht im Morgen verweilen oder dem Nächsten nachjagen, sondern im Hier und Jetzt ruhen, für einen Atemzug oder zwei.
Der Tag ist kein Getriebener; er ist Gabe. Er will nicht erobert, sondern empfangen werden. Was heute reift, lädt uns ein, es wahrzunehmen: ein ehrliches Gespräch, ein sanfter Windhauch, das flüchtige Spiel des Lichts auf dem Wasser. Nichts Außergewöhnliches – und doch erfüllt von Sinn. Vielleicht beginnt wahre Freude genau hier: im Einverständnis mit dem Unvollkommenen, im stillen Staunen über die Fülle dessen, was uns geschenkt wird – ohne Verdienst, aus Gnade. Sonnengeküsst zu sein bedeutet nicht, dass alles hell ist. Es bedeutet, das Licht zu erkennen, wenn es uns begegnet – und es nicht zu übersehen. Möge dieser Tag ein solcher sein.
Pace e bene
DiR Bernd-Günter Barwitzki, OFS
9 Tage, die Sie verändern können – Ihre Pfingstnovene
Aufblühen im Alltag – kleine Momente, große Wirkung!
Pfingsten kommt oft leise daher – und geht genauso schnell wieder vorbei. Dabei steckt in diesem Fest eine starke Zusage: Sie sind nicht allein. Gott selbst ist Ihnen nahe – durch seinen Heiligen Geist. Diesen Geist hat Jesus versprochen und geschenkt. Und mehr noch: In Ihrer Taufe ist er Ihnen bereits zugesagt worden. Pfingsten erinnert daran, was längst in Ihnen angelegt ist.
Die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind eine besondere Gelegenheit, genau das neu zu entdecken. Die Pfingstnovene ist kein kompliziertes Programm, sondern eine einfache Einladung: Nehmen Sie sich jeden Tag einen kurzen Moment Zeit. Halten Sie inne, werden Sie still, vielleicht mit einer Kerze oder einfach mitten im Alltag. Sprechen Sie ein schlichtes Gebet: „Komm, Heiliger Geist. Füll mein Herz mit deinem Frieden. Gib mir Hoffnung und neue Ideen. Sei bei mir – heute und jeden Tag.“
Mehr braucht es nicht. Und doch kann genau darin etwas wachsen.
Denn Aufblühen geschieht nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt. Ein Gedanke wird klarer. Ein Herz wird ruhiger. Ein neuer Mut entsteht. Wer sich diese kleinen Zeiten gönnt, öffnet sich für eine Gegenwart, die trägt. Der Heilige Geist wirkt oft leise – aber spürbar. Er verbindet Sie mit Jesus, nicht theoretisch, sondern mitten im Leben.
Vielleicht verändert sich nicht sofort alles. Aber vielleicht verändert sich Ihr Blick: auf sich selbst, auf andere, auf das, was möglich ist. Aus einem kurzen Moment der Stille kann neue Kraft entstehen. Aus einem einfachen Gebet ein Gefühl von Nähe. Und aus diesen neun Tagen ein Weg, der über Pfingsten hinaus weitergeht.
So wird die Pfingstnovene zu mehr als einer Vorbereitung. Sie wird zu einer Erfahrung: Gott ist da. Er wirkt in Ihnen. Und manchmal beginnt genau dort etwas Neues zu blühen.
Pace e bene
DiR Bernd-Günter Barwitzki,ofs
Dreifaltigkeitssonntag – Eintauchen in die Liebe, die alles verbindet
Ein Gott in drei Personen – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Was auf den ersten Blick wie ein unlösbares Rätsel wirkt, wird am Dreifaltigkeitssonntag zur Einladung: Treten Sie ein in das Geheimnis einer Liebe, die alles durchdringt.
Für Franz von Assisi war Gott nie eine abstrakte Idee. Er hat die Dreifaltigkeit nicht erklärt – er hat sie gelebt. In seiner radikalen Einfachheit, in seiner Liebe zur Schöpfung, in seiner Nähe zu den Menschen wird etwas sichtbar von diesem dreifaltigen Gott: Beziehung, Hingabe, lebendige Gemeinschaft.
Der Vater – Schöpfer aller Dinge. Für Franziskus spiegelte sich Gott in der ganzen Welt: in der Sonne, im Wasser, in jedem Geschöpf. Alles ist getragen von dieser göttlichen Liebe.
Der Sohn – Jesus Christus. In ihm wird diese Liebe konkret. Franziskus folgte ihm nicht halb, sondern ganz – arm, demütig, nah bei den Menschen.
Der Heilige Geist – die Kraft, die alles lebendig macht. Für Franziskus war er kein fernes Konzept, sondern spürbare Gegenwart: Freude, Inspiration, innerer Aufbruch.
Gerade in diesem Jahr, in dem an 800 Jahre Transitus erinnert wird, bekommt der Dreifaltigkeitssonntag eine besondere Tiefe. Franziskus’ Leben war ein Weg hinein in diese göttliche Beziehung – und sein Sterben kein Ende, sondern ein Übergang in die Fülle dieser Liebe.
Dreifaltigkeit heißt: Gott ist nicht allein – und Sie sind es auch nicht. Alles ist verbunden. Alles ist getragen. Diese Sicht verändert den Blick auf die Welt. Sie macht achtsam, dankbar, offen.
Vielleicht liegt genau darin die Kraft dieses Festes: nicht alles verstehen zu müssen, sondern sich hineinnehmen zu lassen. In die Beziehung Gottes. In ein Leben, das weiter wird.
Franziskus würde es wohl einfach sagen: Staunen Sie. Leben Sie. Lieben Sie. Denn genau darin berühren Sie das Geheimnis der Dreifaltigkeit.
Pace e bene
DiR Bernd-Günter Barwitzki, ofs
Marienmonat Mai
„Ich sehe dich in tausend Bildern …
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.“ (Novalis)
Maria erscheint hier nicht als ferne Idealfigur, sondern als eine Wirklichkeit, die sich nicht festlegen lässt. Eine gesunde Marienverehrung bleibt genau hier: Sie bleibt schlicht, unaufdringlich und verliert sich nicht in äußeren Formen, sondern weist über sich hinaus. Maria steht nicht im Mittelpunkt um ihrer selbst willen, sondern als Wegweiser – auf Gott hin und auf das Leben in seiner Tiefe.
Zugleich gehört dazu der Gedanke, dass Maria für die Menschen bei Gott eintritt. Als Fürsprecherin trägt sie das, was uns beschäftigt – Sorgen, Bitten, Dank – vor Gott. Das eröffnet eine konkrete, alltagstaugliche Form des Glaubens: nichts muss unausgesprochen bleiben, nichts ist zu klein, um vor Gott gebracht zu werden.
Mit Maria den Alltag zu leben, bedeutet daher nicht, etwas Zusätzliches leisten zu müssen, sondern den eigenen Tag bewusst zu gehen: Entscheidungen nicht nur aus dem Moment heraus zu treffen, sondern im Vertrauen; Schwierigkeiten nicht nur als Last zu sehen, sondern auch als Ort, an dem Begleitung möglich ist; kleine Freuden wahrzunehmen und weiterzugeben. Diese Haltung ist leise, aber tragfähig.
Dazu passt der Mai mit seinem Aufblühen: Knospen öffnen sich, Farben kehren zurück, alles wirkt leichter und lebendiger. Dieses Wachsen geschieht ohne Aufsehen – und genau so kann auch Glaube im Alltag Gestalt annehmen: unaufdringlich, aber wirklich.
So wird der Marienmonat Mai zu einer Zeit, in der sich äußeres Aufblühen und gelebter Alltag verbinden – im Vertrauen darauf, dass dieser Weg nicht allein gegangen werden muss.
Pace e bene
DiR Bernd-Günter Barwitzki, OFS




